J U L I

Max Slevogt (1868 - 1932)

Badehaus an der Havel, 1912
Öl auf Leinwand, 65,5 x 80,5 cm
Bezeichnet unten rechts: Slevogt 1912
Provenienz: Johannes Guthmann, Neu-Cladow (1912);
Johannes Guthmann/Joachim Zimmermann, Mittelschreiberhaus; Ludwigs Galerie, München
Erworben: 1950

Dieses schnell und locker hingezauberte Gemälde ist keine schwere Kost, sondern ein reizender, gefälliger Wurf, in dem die vergnügliche Gelegenheitsarbeit spürbar bleibt. Die prickelnden Farben bedecken die Malleinwand nur unvollständig, so dass die dünne weisse Grundierung an manchen Stellen durchscheint und die Leuchtkraft der reich abgestuften Grün- und Blautöne, die den Charakter des Bildes bestimmen, noch steigert. Die heitere Sommerstimmung findet ihren Widerhall in den Segelbooten und im Badehaus am Ufer der zu einem See sich verbreiternden Havel. Einzig der Reiter im seichten Wasser mit seiner dunklen Mütze und den schweren Stiefeln, der von Liebermanns unzähligen Darstellungen von Reitern am Strand angeregt sein dürfte, fällt ein wenig aus dem feinen Takt der Leichtigkeit, der in dem Bild schlägt. Immerhin verleiht diese Figur der Komposition, die ohne sie in der durchgängigen Helligkeit der weiten, blau- grünen Wasserfläche zu zerfliessen drohte, einen Mittelpunkt. Sonst geben lediglich die mit kräftig breitem Pinsel hingeworfenen Wellen im Vordergrund den entmaterialisierten Formen des Bildgefüges eine festere Basis.
Der Impressionismus erscheint hier in seiner spätesten Ausprägung. Er ist bereits schon zu einer souveränen Fingerübung geworden, bei der künstlerischer Ehrgeiz und Pioniergeist hinter der bravourösen Routine etwas zurückstehen. Entsprechend seiner Hauptaufgabe in jenen beiden Monaten, der Ausschmückung der Gartenpavillons seines Auftraggebers, hat Slevogt dieses Stück Malerei geistreich mit dekorativem Geschick aufgefasst und damit einen glücklichen Moment beschwingter Lebensfreude auf die Leinwand gebannt.